Warum die Abgabe von verwitwete alte Meerschweinchen?


Erfahrungsbericht

Leider höre ich immer mal wieder Kommentare in der Form “wie kann man ein altes Schweinchen abschieben” oder “es bekommt ihm nicht so gut, entwurzelt zu werden”. Ich gebe schon seit fast 7 Jahren immer wieder älteren verwitweten oder wegen Krankheit unvermittelbaren Meerschweinchen einen Gnadenbrotplatz bei uns und kann dazu nur sagen, dass dies nicht so ist.

Die meisten Halter sind von unserer Haltung begeistert, oft machen sie sich lange Zeit zuvor Gedanken, was gemacht werden soll, wenn das Partnerschweinchen mal stirbt. Für viele kommt kein Leihschweinchen in Frage, weil sie sich ja auch irgendwann wieder von dem Schweinchen trennen müssen. Jedes Gnadenbrotschweinchen wird vom Halter persönlich gebracht, auch dürfen sie hier bei der Vergesellschaftung dabei sein. Erst wenn der Halter sich davon überzeugt hat und ihm der Platz bei uns zusagt, bekommen wir die Abtrittserklärung ausgehändigt. Bisher waren alle Halter sehr zufrieden und haben sich bedankt, dass wir älteren verwitweten Meerschweinchen hier gerne einen Gnadenbrotplatz bieten.

 

Ich glaube, weil alle unsere "Gnadenbrotschweinchen" selber einmal als Notfall angekommen sind und auch oft hier recht positiv in unsere Gruppen aufgenommen wurden, zeigen sie sich bei älteren Neuzugängen ebenfalls als recht verträglich. Richtig böse “Jagdszenen” habe ich schon seit einigen Jahren nicht mehr gesehen. Meine Mutter schließt oft die "Jungs" in ihr Herz, so fiel auch die Wahl auf Artur oder wie im aktuellen Fall, wo sie total vernarrt in Madame Coco und auch Penelope alias "Schmetterling" ist. Madame Coco ist sofort zur Stelle und lässt sich auch von uns aus dem Gehege holen mit dem Wissen, dass es dann ein extra Leckerli in Form von Haferecken gibt. Erna war mein Liebling, da sie auch gleichzeitig zusammen mit Schlitzohr und Zoe mein Sorgenkind war. Erna - im Mai wäre sie 8 Jahre geworden - war seit einem Jahr bei uns. Mit ihr musste ich leider regelmäßig zum Tierarzt zum Zähne kürzen. Auch ihr Gewicht machte mir Sorgen. Trotz alledem war sie eine muntere alte Seniorin, die es faustdick hinter den Ohren hatte. Sie konnte völlig ungehalten werden, wenn ich ihr nicht schnell genug ihr Päppelfutter brauchte, dann konnte es auch schon mal passieren, dass sie mich zwickte. Meine Mutter musste immer lachen wenn sie hört, wenn ich im "Schweinchenzimmer" wieder mit Erna diskutiere. Zu meinem Leidwesen hat sich Zoe das bei Erna abgeschaut und terrorisiert mich dann auch. Zoe’s Alter war ungewiss, sie kam als abgemagertes Notschweinchen zu uns und schnell war uns klar, dass sie bei uns bleiben wird. So wie es ausschaut sind ihre Tage bei uns wohl gezählt, sie baut täglich mehr ab. Meine Bemühungen um die Verbesserung ihres Gesundheitszustandes zeigt leider keinen Erfolg. Obwohl wir uns wohl bald wieder mit einem Abschied vertraut machen müssen bieten wir hier auch weiterhin Gnadenbrotplätze an, wenn ein Platz frei wird. Vielen Dank an alle ehemaligen Halter, die uns ihre “Gnadenbrotmeerschweinchen” anvertrauen. Leider war Zoe und Erna nur ein kurze glückliche Zeit bei uns vergönnt. Sie haben am 24.02.15 & 04.03.15 ihre letzte Reise zur RBB angetreten.